Mobile Marketing Werbekuchen & der Nutzer 3.0
Februar 14th, 2007 | by FHolzapfel |
Auf der Messe 3GSM in Barcelona haben Unternehmen wie Google, Microsoft, Yahoo & Co. verkündet verstärkt Verfahren aus dem Bereich Online-Werbung auf das Handy zu übertragen (sieh auch Artikel auf sueddeutsche.de). Somit wollen sich diese Anbieter unabhängig von den Netzbetreibern ihr Stück vom Mobilen-Werbekuchen sichern. Ein Schelm, wer Zweifel dabei hegt, dass dies funktionieren wird?
Eine der Haupt „Kinderkrankheiten“ mobiler Werbung besteht meiner Meinung nach darin, dass bisher immer noch all zu oft versucht wird althergebrachte Verfahren aus anderen Medien auf die mobile Welt zu übertragen.
Bereits im Internet müssen Anbieter immer noch lernen, dass immer weniger die Unternehmen diktieren, welche Werbung, wann, wie und wo gezeigt wird – oder zumindest ob diese erfolgreich ist. Das machen die Verbraucher heute nämlich größtenteils selbst! Dies gilt umso stärker für den Bereich der mobilen Werbung. Denn mobile Nutzer verhalten sich anders und möchten auch anders angesprochen werden als Personen im Internet oder in der Offline Welt. Wenn man heute viel von Web 2.0 spricht wäre hier vielleicht ein Begriff wie Nutzer 3.0 angebracht (denn zukünftig wird immer weniger die Technologie, sondern verstärkt der Anwender bzw. dessen Nutzen im Vordergrund stehen, wobei die online und mobile Welt nicht mehr gerätespezifisch sein, sondern miteinander verschmelzen werden).
Natürlich will keines der großen Unternehmen, wie Google, Microsoft, Vodafone, Yahoo & Co. die Möglichkeit verpassen bereits jetzt seine Claims im sicherlich rasant wachsenden mobilen Werbekuchen abzustecken. Doch hierbei sollte die Balance zwischen schnellen Handeln und detaillierter Analyse, welche Services mobile Nutzer wirklich benötigen bzw. wünschen gewahrt werden. Denn wer jetzt die mobile Zielgruppe mit blindem Aktionismus bzw. unnützen Angeboten überfrachtet schadet möglicherweise nicht nur sich selbst, sondern schlimmstenfalls dem gesamten mobilen Werbemarkt.
Kurzfilme a la Youtube verbreiten sich unserer Erfahrung nach nicht nur im Internet, sondern auch mobil hervorragend. Doch nicht in dem mobile Nutzer eine Internetseite mit Ihrem Handy aufrufen, sondern indem sie die Inhalte auf anderen Wegen beziehen – sei es per Blutooth Beamer oder von einem Freund oder Bekannten. Vorausgesetzt sie erfüllen bestimmte Kriterien, verbreiten sich solche Inhalte anschließend nahezu von allein – allerdings nur sehr vereinzelt mit Hilfe des mobilen Internets.
Denn Hand aufs Herz: Wer nutzt heute wirklich sein Handy, um im Internet zu surfen? Sie nicht? Sehen Sie… Ich auch nicht… Denn gewöhnlich schließe ich mein Handy lieber an den Laptop an und gehe dann zwar via UMTS aber doch irgendwie klassisch „online“. Nur in ganz seltenen Fällen verwende ich das Handy, um damit direkt im Internet zu surfen. Und das obwohl ich noch relativ „jung“ bin und mich beruflich viel mit mobiler Werbung beschäftige. Selbstverständlich gibt es bereits heute Anwender, die sich viel mit ihrem Handy im Internet bewegen. Aber dies sind noch so wenige, dass man hier wohl noch nicht einmal von einer Minderheit sprechen kann – ganz zu schweigen von einem Massenmarkt.
In einigen Jahren wird sich dies evtl. ändern. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass mobiles surfen genauso schnell und günstig wird wie das heutige „klassische surfen“ und die Endgeräte noch benutzerfreundlicher werden (wobei hier ein erster Hoffnungsstreifen am Horizont schimmert, da schon in absehbarer Zeit erste Geräte mit einem eingebauten Minibeamer verfügbar sein sollen und somit das Problem der Gratwanderung zwischen großem Display aber kleinem Telefon entschärft wird à doch bis sich diese Geräte als Standard etabliert haben werden sicherlich noch einige Jahre vergehen). Denn nur um den Mobilfunkbetreibern die lange ersehnten wachsenden Umsätze bei mobilen Datendiensten zu bescheren oder Unternehmen die mobile Werbung vertreiben zu beglücken werden die Nutzer diese Angebote kaum in großer Anzahl beanspruchen.
Bei dem Ansatz das mobile Internet im Jahr 2007 als Mega-Trend auszurufen ist daher meiner Meinung nach eher der Wunsch der Vater des Gedanken. Sicherlich werden große Wachstumsraten erzielt. Das ist bei der Basis aber auch kein Wunder, doch absolut gesehen wir das mobile Internet wahrscheinlich als Mega-Trend wahrscheinlich noch ein wenig auf sich warten lassen.
Bis dahin werden eher die mobilen Pull Ansätze und andere mobile Werbeformen Erfolge erzielen. Beispielsweise bieten in den USA erste Netzanbieter Tarife, bei denen die Kunden extrem günstig telefonieren können. Im Gegenzug müssen Sie vor jedem Telefonat einen kurzen Werbespot auf ihrem Handy betrachten. Hier hat der Nutzer einen realen bzw. gar monetären Mehrwert. Ähnliches mag auch für Google Maps gelten. Schließlich scheinen sich Navigationssystem auf dem Handy immer stärker zu verbreiten. Auch hier hat der Nutzer einen echten Mehrwert – aus zwei Geräten wird eins, das man per se immer dabei hat. Ob man wirklich ein Suchprogramm für seine SMS benötigt wage ich hingegen schon wieder anzuzweifeln.
Microsoft wird natürlich versuchen auf dem Mobiltelefon eine ähnliche Strategie wie auf dem Markt für Betriebssysteme und Anwendersoftware zu verfolgen. Wenn sich Windows Mobile als mobiles Standardbetriebssystem durchsetzen sollte, liegt es nahe, dass auch andere Programme, wie der MSN Messenger verstärkt mobil eingesetzt werden. Sicherlich eine der zukünftigen Killeranwendung auf dem Handy. Per Flatrate online gehen, anstatt 160 Zeichen SMS solange und so oft Texten (Chatten) wie man mag, und bei Bedarf wird eben kurz eine Sprachverbindung hergestellt – möglicherweise gar direkt mit mehreren Freunden. Quasi eine Art Telefonkonferenz für lau.
Bei solchen „Horrorszenarien“ wird die Luft für die Mobilfunkbetreiber einerseits sicherlich ein wenig dünn. Andererseits sind sie irgendwie immer noch die Hüter des heiligen Mobile-Grals und werden das voraussichtlich auch noch lange bleiben. Denn wo kaufen Konsumenten ihre Handys und schließen ihre Verträge ab? Richtig… Sprich Unternehmen wie Vodafone, T-Mobile & Co. sind extrem interessante Partner für sämtliche Anbieter von mobilen Services. Ich wage zu bezweifeln, dass diese Unternehmensboliden selber im Stande sein werden mobile Killeranwendungen zu erfinden. Aber durch geschickte Zukäufe und Partnerschaften werden auch diese Herrschaften sicherlich nicht am Mobilen-Hungertuch nagen müssen.
Und die Moral von der Geschicht… Auch mobiles wird so heiss gegessen wie es gekocht wird nicht… Und es bleibt weiter spannend…




















3 Responses to “Mobile Marketing Werbekuchen & der Nutzer 3.0”
By Casimir on Apr 4, 2007 | Reply
Und die Moral von der Geschicht…
Solange die Telcos dieser Welt ihre Monopolstellung weidlich genießen und nur zögerlich Tarife insbesondere die fürs Mobile Internet senken, wird der Mobilfunkmarkt weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleiben. Es ist schon schlimm mit anzusehen, wieviel Geld dort freiwillig verschenkt wird und mit wie wenig Innovativen die Branchengrößen aufwarten. Diese Kritik ist nicht nur rein auf Deutschland bezogen.
By FHolzapfel on Apr 4, 2007 | Reply
Da kann ich Casimir “leider” nur zustimmen! Einerseits beruht dies sicherlich auf einer Art Besitzstandswahrung. Warum die Preise jetzt schon senken, wenn es doch auch Leute gibt, welche vergleichbare Services bereits heute in Anspruch nehmen? Dabei fehlt den entsprechenden Anbietern meiner Meinung nach schlichtweg die Vision bzw. Bereitschaft ein Modell anzubieten, dass sich auch für die breite Masse eignet. Eigentlich unverständlich, denn es liegt nun mal auf der Hand, dass hiermit wesentlich höhere Gewinne erzielt werden könnten. Andererseits herrscht mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Bereich der Telcos immer noch die Denkweise vor, dass man das immer so gemacht hat und es deshalb auch nicht ändern will. Schade eigentlich… Denn erst in einem Massenmarkt werden wirkliche Innovationen attraktiv bzw. lebensfähig. Positiv hingegen ist, dass die “Großen” wohl das Spielfeld “Mobiles Internet” auch diesmal weitestgehend den “kleinen” Anbietern überlassen und deren Produkte anschließend “teuer” einkaufen “dürfen”, anstatt diese selbst zu entwickeln.
By Casimir on Apr 5, 2007 | Reply
Hallo,
aufgrund eigener Erfahrung aus dem Bereich Mobile Entertainment weiß ich, dass die großen sich den Content nicht wirklich “einkaufen” und sie die Entwickler und kleinen Anbieter aufgrund ihrer quasi Monopolstellung kleinhalten.
Deren Denkweise hat sich mir leider noch nie erschlossen, aber vielleicht sehe ich das Potenzial. Andererseits genießt man, zumindest im Entertainment Bereich, die bequeme Lage, dass ja andere auf einen angewiesen sind. Das ist schade, aber ich denke, dass sich kaum etwas daran ändern wird.