Paid Blogging – Evtl. kurzfristige Erfolge vs. langfristiges „Debakel“
April 10th, 2007 | by FHolzapfel |
Ich bin heute schon in den Blogs connectedmarketing als auch basicthinking über das Thema „gestolpert“. Und mit Sicherheit gibt es zahlreiche weitere Blogs, welche die Sache ebenfalls aufgegriffen haben. Warum schreibe ich dazu also auch noch einen Beitrag? Ganz einfach… Es handelt sich dabei um ein Thema, was auch bei uns öfters auftaucht. Denn vergleichbare Aktionen werden leider all zu oft in einen Topf mit Guerilla & Viral Marketing geworfen (oder zumindest dem, was wir darunter verstehen). Daher möchte ich dazu auch noch ein paar Sätze vom Stapel lassen.
Kurz gesagt geht es mal wieder darum, dass Unternehmen Blogger bezahlen, um Beiträge über irgendwelche Produkte, Angebote oder was auch immer zu verfassen. Selbstverständlich ohne, dass der Leser erkennt, dass es sicher hierbei um Werbung handelt.
Hier also mal einige Gedanken dazu:
- Einerseits ist sicherlich etwas Wahres daran, dass jeder seinen Preis hat. Das ist zwar traurig, aber nun einmal einfach wahr. Wer hier ohne Sünde ist werfe bitte den ersten Stein…
- Dennoch schade, dass es Blogger gibt, die sich auf so etwas einlassen (und damit meine ich nicht, über ein Unternehmen oder Produkt zu schreiben, sondern dies nicht aus reinem Eigeninteresse zu machen, sondern sich dafür bezahlen zu lassen!). Denn es schadet langfristig nicht nur dem eigenen Blog, sondern auch dem Bloggen an sich. Sicherlich sollte man nicht alles was irgendwo gebloggt wird für bare Münze nehmen. Wie bei jedem anderen Medium eben auch. Aber insbesondere Blogs nehmen nun einmal für sich in Anspruch authentisch zu sein. Und das wird mit bezahlten Beiträgen ad absurdum geführt.
Wobei ich etwas anderes eigentlich noch viel erschreckender finde… Inzwischen gibt es viele Unternehmen, die begriffen haben, dass Nutzer im heutigen Web2.0 aktiver sind und mehr „zu melden haben“ als noch vor einigen Jahren in den „guten alten Zeiten“. Das ist schön und gut! Auch das sie sich dieses Phänomen gerne zu nutze machen möchten ist mehr als verständlich. Das was dabei bisher rauskommt ist all zu oft leider eher traurig. So eben auch der Ansatz Blogger dafür zu bezahlen, damit sie etwas über ein Unternehmen schreiben.
Hier zwei Lektionen, bei denen ich hoffe, dass Unternehmen diese möglichst bald verinnerlichen:
- Unternehmen sollten inzwischen gelernt haben, dass sich Internetnutzer nicht gerne für dumm verkaufen lassen. Haben Sie aber scheinbar nicht… Das merken wir auch bei unserer täglichen Arbeit. Dabei kommt es immer wieder vor, dass uns Unternehmen darauf ansprechen wie man versteckte Werbung in Blogs platzieren kann. Unsere Antwort: Am Besten gar nicht!
- Unternehmen sollten weniger darüber nachdenken, wie sie Blogger mit materiellen Anreizen dazu bewegen können über ein bestimmtes Angebot zu berichten. Oder wie sie sich in Blogs als getarnte Verbraucher einschleichen können. Oder ähnliches… Vielmehr sollten sie sich darauf konzentrieren gute Produkte, Werbung, Kundenservice und so weiter zu anzubieten. Denn dann brauchen sie sich oftmals gar keine Gedanken mehr darüber zu machen, wie sie Blogger dazu bekommen über ein Unternehmen zu berichten. Das machen diese nämlich dann ganz von alleine. Und das aus reinem Eigeninteresse – mit der für Blogs eben typischen hundertprozentigen Authentizität.
Und genau im Bezug auf den letzten Punkt ist es mir unverständlich, das Unternehmen immer noch so erpicht darauf sind Blogger „einzukaufen“ oder wie auch immer geartete Schleichwerbung in Blogs zu platzieren. Denn dies ist meiner Meinung nach nicht nur kontraproduktiv, sondern zusätzlich auch noch extrem kurzfristig gedacht. Mag sein, dass sie einige Blogger finden, diesen den Preis bieten bei dem sie „schwach werden“ und damit unter Umständen kurzfristig sogar Erfolge verbuchen können. Aber solche Aktionen werden nun einmal all zu oft enttarnt. Dadurch verbauen sich Unternehmen im Allgemeinen sämtliche Möglichkeiten die Bloggersphäre in welcher Form auch immer zukünftig für das eigene Marketing zu aktivieren. Denn wenn immer wieder weitere vergleichbare Geschichten auftauchen, muss man kein Prophet sein, um in absehbarer Zukunft eine Art Hexenjagd vorauszusehen. Spätestens dann wird kaum ein Blogger mehr über ein Unternehmen, Produkt oder ähnliches schreiben, ohne dabei zu befürchten direkt an den „Schleichwerbungspranger” gestellt zu werden – auch wenn er aus reinem Eigeninteresse darüber berichtet. Und das wäre nun einmal schade… Sowohl für die Blogger… Als auch die Unternehmen…
PS: Die Liste mit den Lektionen für Unternehmen beim Umgang mit Weblogs ist natürlich bei weitem nicht vollständig, sondern beinhaltet lediglich zwei Punkte, die mir besonders unter den Nägeln gebrannt haben. Weitere Ideen könnt Ihr natürlich gerne einfach als Kommentar hinterlassen.

One Response to “Paid Blogging – Evtl. kurzfristige Erfolge vs. langfristiges „Debakel“”
By Felix on Apr 11, 2007 | Reply
Unter folgenden Link habe ich noch einen kleinen Nachtrag zu diesem Beitrag in Form eines Kommentars hinterlassen:
http://ideen.fairmittlung.biz/2007/04/11/bezahlte-blog-beitrage-der-erste-beitrag-den-man-bei-ebay-ersteigern-kann/
Kurz gesagt geht es dabei darum, dass wir bezahlte Blogbeiträge nicht grundsätzlich “anprangern” – sondern nur solche, bei denen der Leser nicht erkennt, dass es sich um bezahlte (Schleich)Werbung handelt. Schließlich wird auch niemand dafür kritisiert, wenn er Google Adwords oder Werbebanner in seinen Blog einbindet. Das gleiche sollte also auch für bezahlte Blogbeiträge gelten, die ann aber auch eindeutig als solche zu kennzeichnen sind.
Wobei sich jeder Blogbetreiber natürlich die Frage stellen muss, ob und wenn ja wie viel Werbung er seinen Lesern “zumuten möchte”. Das ist allerdings kein blogspezifisches Problem, sondern betrifft im Prinzip jedes Medium.