Voter Generated Content in einer Videokratie
April 20th, 2008 | by FHolzapfel |Der diesjährige US Wahlkampf polarisiert - nicht nur in den USA, sondern rund um die Welt. Hierbei handelt es sich nicht um irgendeine, sondern eine Art richtungsweisende Wahl. Oder zumindest haben viele Menschen diesen Eindruck.
Dieser Hintergrund, kombiniert mit der Tatsache, dass Internet, Web 2.0 und Co. in den USA bereits wesentlich fester in den Alltag integriert sind trägt dazu bei, dass sich viele Amerikaner online im Wahlkampf engagieren. Und das nicht nur, um Geld für die jeweiligen Kandidaten zu spenden, sondern um aktive an den Kampagnen teilzunehmen.
Nach „User Generated Content“ heisst das neue Buzz-Word nun „Voter Generated Content“. Wähler erstellen zum Beispiel Videos in denen sie ihre politische Meinung kundtun - oftmals in Youtube üblicher lustiger, provokanter, durchgeknallter oder wie auch immer Art und Weise - und laden diese auf führende Videoportale hoch.
Hier einige der momentan prominentesten bzw. meist betrachteten Beispiele:
„I Got a Crush…On Obama“ by Obama Girl
(Stand 20.04.08: ca. 8 Mio. Views, 19.000 Voting und 35.00 Kommentare)
Yes We Can - Barack Obama Music Video
(Stand 20.04.08: ca. 7 Mio. Views, 36.000 Ratings und 62.000 Kommentare)
Barack Obama Hillary Clinton - Umbrella
(Stand 20.04.08: ca. 6,3 Mio. Views, 13.000 Ratings und 11.500 Kommentare)
Inzwischen gibt es eine recht beachtliche Liste vergleichbarer Videos die teilweise Millionen oder zumindest Hunderttausende von Views erzielt haben. Es gibt bereits Stimmen, die sagen, dass YouTube & Co. eine ähnlich starke Änderung im Wahlkampf darstellen, wie einst in den sechziger Jahren die ersten Wahlkmapfspots im Fernsehen.
Das Interessante dabei… Die Kandidaten stehen hierbei vor ähnlichen Herausforderungen, wie es Unternehmen bereits seit geraumer Zeit tun. Fehlende Kontrolle! Nicht mehr sie oder wenige führende Medienhäuser bestimmen, was über sie berichtet wird, wie sie dargestellt werden, usw., sondern die Konsumenten bzw. Wähler selbst.
Einerseits ist es natürlich toll wenn diese Clips produzieren die millionenfach betrachtet werden und quasi eine Art „kostenloses Marketing“ darstellen. Andererseits können diese Spots auch Dinge beinhalten, die man so nicht im Zusammenhang mit dem eigenen Unternehmen, der eigenen Person oder nennen wir es doch schlichtweg der eigenen Marke sehen möchte.
Ganz davon abgesehen, dass dieser Vorter Generated Content auch zu teilweise hahnebüchener Kritik führen kann. Zuletzt musste sich Barack Obama zum Beispiel dafür rechtfertigen, dass das Obama Girl in ihrem Video für wenige Sekunden „nur“ mit einem Bikini einfach zu leicht bekleidet sei.
Hinzu kommt, dass beispielsweise nahezu jede Rede von den Kandidaten von einem Besucher vor Ort gefilmt, anschließend auf den führenden Videoportalen hochgeladen und damit von jedermann betrachtet werden kann. In einem Rededuell im Fernsehen konnten Nutzer per YouTube Filmen Fragen an die Kandidaten stellen. Und und und…
Das Motto 2.0 lautet in den USA inzwischen also: „Es lebe die Videokratie!“
Einen interessanten Beitrag zu diesem Thema gab es übrigens vor wenigen Tagen auch auf sueddeutsche.de. „US Wahlkampf im Netz - Es lebe die Videokratie“



















