twitter

StudiVZ – Aus (Viral) Marketing Sicht eine Katastrophe

Oktober 16th, 2008 | by Felix |

Wie bereits des öfteren erwähnt, ist es bei weitem kein Staatsgeheimnis mehr, dass „klassische Werbung“ wie Banner, Textanzeigen & Co. in Social Networks oftmals nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt. Wieso, weshalb, warum? Nutzer sind an dieser Stelle schlichtweg nicht empfänglich für „platte Werbebotschaften“. Sie möchten einfach ungestört mit ihren Freunden kommunizieren, schauen, was der Bekanntenkreis so alles treibt, Fotos und Videos hochladen oder betrachten, usw. Sprich sie sind auf der Suche nach Unterhaltung/Entertainment.

Auch dies beginnen die Betreiber der Networks bereits zu erkennen. So gehört auf einem Beitrag von StudiVZ auf der OMD: „Zentrales Element einer erfolgreichen Kampagne auf StudiVZ sind die viralen Effekte.“ Gleiches hört man übrigens unisono von nahezu sämtlichen Networks, Videoportalen, usw.

Aber warum beherzigen die Betreiber dies dann nicht? Was ich damit meine? Das veranschauliche ich heute mal an dem führenden Social Network im deutschsprachigen Raum StudiVZ. Denn wie der Titel des Beitrags schon besagt… Aus (Viral) Marketing Sicht ist diese Plattform eine Katastrophe. Insbesondere wenn man sie mit dem internationalen Platzhirsch Facebook vergleicht, der in diesem Bereich wesentlich weitreichendere Funktionen bietet. Im folgenden mal ein kleiner Überblick:

Newsfeed
Facebook, LinkedIn oder auch XING bieten direkt nach dem Login eine Übersicht, welche über Neuigkeiten im eigenen Netzwerk informiert. Wer hat ein neues Profilbild? Wer hat neuen Content zu seinem Profil hinzugefügt? Wer hat welche neuen Kontakte geknüpft? Wer hat welche Inhalte kommentiert? Was für Gruppen ist jemand kürzlich beigetreten? Usw. Hierbei handelt es sich nicht nur um eine Funktion, welche bei den Nutzern extrem beliebt ist (lt. einer aktuellen Studie von IP Deutschland und TNS Emnid ist dies für 69,1% sogar die Hauptmotivation zum Besuch eines Social Networks). Denn somit bleibt man automatisch stets up to date. Nein. Es handelt sich auch um eine Funktion, welche Viral Marketing und Word of Mouth Kampagnen erheblich vereinfacht. Denn die Mundpropaganda erhält so einen schlagkräftigen Turbo. Ein Nutzer wird z.B. Fan von einem Unternehmensprofil, postet einen Beitrag in einer Unternehmens-Gruppe, kommentiert ein virales Video, usw. Ohne weiteres zutun werden automatisch sämtlich seiner Kontakte über diese Aktivität informiert. Diese wiederum treten zumindest teilweise ebenfalls in Aktion, was wiederum deren Kontakte mitbekommen, usw. Usw. Das Problem bei StudiVZ? Hier gibt es keine vergleichbare Newsfeed Funktion! Das macht Viral Kampagnen auf StudiVZ zwar nicht unmöglich, aber doch um einiges nennen wir es einmal anspruchsvoller…

Share this
In der Taskleiste meines Browsers habe ich einen Button der da heisst „Share on Facebook“. Wenn ich eine interessante Website sehe, ein lustiges Video auf Youtube Betrachte, ein super Angebot in einem Online Shop finde, usw. klicke ich diesen Button. Es öffnet sich ein kleines Fenster in das ich noch einen Kommentar eingeben kann und schwups landet das Ganze wie von Geisterhand auf meinem Facebook Profil. Auch diese Inhalte landen dank des eben beschriebenen Newsfeeds automatisch auf der Startseite sämtlicher meiner Kontakte. Teilweise kommentieren diese die von mir eingestellten Inhalte. Das wiederum erscheint dann im Newsfeed von deren Kontakten. Usw. Ein „Share on StudiVZ“ wird bisher leider schmerzhaft vermisst.

Videos
Sowohl Bilder als auch Videos gehören zu den beliebtesten Features von Social Networks. Nutzer laden sie hoch, kommentieren sie, verlinken sich gegenseitig auf Bildern, usw. Kein Wunder also, dass insbesondere Videos ein zentrales Element zahlreicher Viral Kampagnen darstellen. Nein ich werde hier jetzt ganz sicher nicht den „Videos die Virale Wunderwaffe schlechthin“ Lobgesang anstimmen, dass man sie bloß irgendwo hochladen muss und damit im Handumdrehen Millionen Views erzielt. Aber Web Videos sind ein sehr guter viraler Träger, der sowohl Stand Alone als auch im Rahmen einer eng vernetzten Viral Kampagne treue Dienste leisten kann. Denn bewegte Bilder sind und bleiben nun einmal immer noch der Königsweg, um eine Botschaft möglichst stark zu emotionalisieren. Auf Facebook kann man Videos Videos entweder direkt auf seinem Profil hochladen oder wie eben beschrieben über die „Share on Facebook“ Funktion. Ach ja… Und da alle guten Dinge bekanntermaßen 3 sind könnte man es alternativ auch noch mit der „post a link“ Funktion auf seinem Profil posten und damit sein komplettes Netzwerk auf ein Video bei YouTube & Co. hinweisen. Im Punkto Bilder bietet StudiVZ sämtliche Features anderer vergleichbarer Networks. Die Unterstützung von Videos fehlt bisher jedoch komplett. Zwar heisst es seit einer gefühlten Ewigkeit, dass sich dies bald ändern wird. Aber in den letzten 12 Monaten ist da leider immer noch nichts passiert.

Externe Applications
Ein letztes Beispiel, wo StudiVZ dem internationalen Marktführer leider hinterherhinkt. Ein zentrales Element auf Facebook sind so genannte Applications. Diese können von jedermann erstellt und auf Facebook gepostet werden. Hier einige Beispiele der beliebtesten Applictaions auf Facebook:

:: Causes (Man gibt ein Thema ein das einem am Herzen liegt und kann über diese Application spenden auf dem eigenen Profil sammeln)
:: We are related (Ein Familienstammbaum auf Facebook)

:: Visual Bookshelf (zeigt was für Bücher man selber liest und sucht Leute mit einem ähnlichem Geschmack)

:: Who has the biggest Brain (Gehirnjogging zu dem man auch seine Freunde einladen kann)

:: Texas Hold Em Poker (unkompliziert mit den eigenen Freunden pokern)

:: Shopit (ein Online Shop den man auf seinem eigenen Profil erstellen und damit Geld verdienen kann)


Und dies sind nur einige von tausenden vergleichbarer Anwendungen. Auch wenn einige Nutzer von der Anzahl dieser Applications erschlagen oder sogar genervt sind, bieten sie dem Großteil viel Spaß und Möglichkeiten ihr Profil „zu pimpen“. Nicht umsonst haben die erfolgreichsten dieser Applications monatlich mehr als 18 Mio. aktive User. Wohl unnötig zu erwähnen, dass sich auch hier die ein oder andere gute Möglichkeit bietet, solche Applications als Baustein einer Viral Kampagne in Social Networks zu nutzen.

Fazit
Selbst bei Marktführer Facebook ist natürlich nicht alles Gold was glänzt. Aber im Vergleich ist Facebook aus Sicht der Möglichkeiten für virale Elemente in einer Kampagnen StudiVZ meilenweit voraus. Sowohl was die Möglichkeiten auf der Plattform betrifft als auch die Vernetzung mit externen Inhalten. Wenn StudiVZ diese Lücke nicht bald zumindest verkleinert wird es damit für Facebook noch einfacher sich auch in Deutschland als Marktführer zu etablieren. Denn zumindest derzeit ist diese Plattform noch bei weitem interessanter – sowohl für die Nutzer als auch für die Marketer. Und auch wenn die ersteren das zentrale Element sind. Nicht umsonst heisst die Haupt-Devise derzeit immer noch „Reichweite weiter steigern“. Aber ohne Marketer geht es halt auch nicht. Networks, welche diesen keine attraktiven Möglichkeiten bieten werden früher oder später gezwungenermaßen ins Hintertreffen geraten. Denn nur wirtschaftlich starke Networks können auf lange Sicht bestehen, ihr Angebot weiter verbessern, damit noch mehr Nutzer gewinnen, usw. Und dafür sind attraktive Angebot im Bereich Marketing, welche über eine klassische Bannerschaltung hinausgehen und dem Nutzerverhalten in diesem Umfeld Rechnung tragen, nun einmal unabdingbar!

Related posts:

  1. Social Media Marketing – Studien, Zahlen, Daten, Fakten rund um Facebook, StudiVZ & Co.
  2. Stoppt das sinnlose Verbrennen von Werbebudgets in Social Networks!
  3. Studie prognostiziert Viral Video Boom im Jahr 2009
  4. Aktuelle Marketing-Trends aus den USA
  5. Sonderwerbeformen auf YouTube – Beispiel Nintendo WII
  1. 8 Responses to “StudiVZ – Aus (Viral) Marketing Sicht eine Katastrophe”

  2. By henrik on Okt 16, 2008 | Reply

    Es ist relativ einfach, etwas zu kopieren, dann aber ist es doch schwieriger, den Klon auch noch ständig auf dem neuesten Stand der Dinge zu halten. Die Innovationsrate von Facebook wird StudiVZ wohl nie erreichen und deshalb auch untergehen. Gerechtigkeit gibt es doch.

  3. By Marco Erbe on Okt 28, 2008 | Reply

    …danke felix du sprichst mir aus dem herzen…solange man seine api huetet wie ein geheimnis, wird man auch keine innovation auf sein portal bekommen..wir haben das warten aufgegeben und passen unseren geilen features schon jetzt nur an facebook und firefox an, da es aus meiner sicht nicht mehr allzu lange dauern wird, bis facebook in dtl. kraeftig an fahrt gewinnen wird. mit bildern verlinken und nachrichten schicken…wird man auf dauer nicht bestehen koennen

    greetz from

    LE Marco(jobmixer)

  4. By FHolzapfel on Okt 28, 2008 | Reply

    hi marco,
    gern geschehen. und beruht auf gegenseitigkeit;-) denn ich denke auch, dass facebook langsam aber sicher auch hierzulande auf die überholspur gehen wird.

  5. By Guerilla Marketer on Nov 27, 2008 | Reply

    Na so wie du Facebook beschrieben hast, muss man sich doch glatt dort anmelden :-)

    Du hast völlig Recht, StudiVZ hinkt extrem hinterher. Sie hätten viel früher innovativ sein müssen, dann hätte es auch nicht so ausgesehen, als würden sie die Facebook-Features nur kopieren (was jetzt der Fall wäre). Ob StudiVZ es jemals schaffen wird…man weiß es nicht. Aber so langsam sollten sie echt Gas geben.

  6. By Felix on Nov 27, 2008 | Reply

    “Glatt mal bei facebook anmelden”…

    Kann ich nur empfehlen!

    Und am besten auch direkt Fan von unserer conceptbakery Page werden;-)

  7. By Daijobi on Okt 29, 2009 | Reply

    find ich quatsch! will jetzt nicht zuviel schreiben…
    aber facebook ist für mich überladen! ich bevorzuge aufjedenfall studivz, und würde denen am liebsten eine mail schreiben in dem ich Ihnen davon abrate ihre seite so zu überladen.

    Man hat doch überhaupt keinen überblick, mich interessiert doch nicht jedes einzelne detail von bekannten (und das bei 400-500) dass ist doch ätzend, ich will nur sehen wer mir schreibt, wer was bei mir kommentiert und wer neue fotos hat.

    Natürlich ist es für ein Unernehmen was potenzieles marketing machen will, auf facebook viel profitabler… nämlich deshalb weil jeder gleich alles von seinen bekannten erfährt…

    usw. blablabla.

  8. By Felix Holzapfel on Okt 29, 2009 | Reply

    a) Als wir den Post hier verfasst haben hatte StudiVZ glaube ich noch nicht einmal die Buschfunk Funktion (die wurde nämlich glaube ich erst im Mai 2009 gelaunched). Sprich zu der Zeit habe ich eigentlich noch gar nichts Neues aus meinem Netzwerk mitbekommen – außer meine Freunde haben mich aktiv informiert, auf einem Bild getagged (wenn ich die entsprechende Einstellung getätigt hatte) oder ich habe die Profile meiner Kontakte besucht.

    b) Facebook überladen… Teilweise bestimmt richtig… Aber eben auch Geschmackssache… Kommt ja nicht von ungefähr, dass Facebook nicht nur das weltweit führende Social Network, sondern auch inzwischen auch hierzulande der Platzhirsch ist (was zum Zeitpunkt der Erstellung des Beitrags hier ebenfalls noch nicht der Fall war;). Ob und wie lange das so bleibt… Mal sehen… Aber zumindest derzeit ist da noch kein ernsthafter Konkurrent in Sicht…

    Wobei der Facebook Newsfeed sicherlich auch alles andere als optimal ist. Gerade nach der Umstellung vor wenigen Tagen gab es ja schon ordentlich Kontra. Aber Facebopok legt im Punkto Entwicklung einfach ein Hammer-Tempo vor (was man von StudiVZ leider nicht so behaupten kann), so dass der Newsfeed bestimmt in absehbarer Zukunft optimiert wird. Und ich gehe davon aus, dass Du da dann weitestgehend genau die Funktionen haben wirst die Du Dir in Deinem Kommentar wünschst (bzw. man dann mehr Möglichkeiten hat individuell festzulegen, was man genau in seinem Newsfeed sehen mag >> und davon ist StudiVZ & Co. leider noch meilenweit entfernt).

    Letztendlich ging es hier in dem Beitrag aber auch "nur" um die "Viral Marketingsicht"… Und da sind wir ja scheinbar auf einer Wellenlänge…

    Ob man das als Nutzer dann besser oder schlechter findet, welche Plattform man bevorzugt, usw. muss dann jeder für sich selber entscheiden.

    Und wir als Marketer werden uns auch weiterhin mit sämtlichen (relevanten) Plattformen beschäftigen und beobachten, wer uns welche Möglichkeiten bietet und das dann mit unserer ganz persönlichen Meinung kommentieren;)

  1. 1 Trackback(s)

  2. Nov 6, 2008: Applications - Ein Hauch von Facebook auf LinkedIn

Post a Comment