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Eine Bahnfahrt die ist (un)lustig eine Bahnfahrt die ist (un)schön

Januar 17th, 2009 | by Felix |

Alternativ könnte man den Beitrag auch wie folgt taufen: „Warum die Menschen so oft über die Deutsche Bahn schimpfen?!“

Ich besitze mindestens seit gefühlten 10 Jahren eine Bahncard und bin normalerweise ein glücklicher Bahnkunde. Wenn die Leute mal wieder über die Bahn meckern gehöre ich gewöhnlich zu den wenigen Menschen die sagen, „also ich fahre geschäftlich relativ viel durch die Republik (Ok, inzwischen fliegt man dann auch öfter) und erlebe es nur sehr selten, dass ein Zug einmal verspätet ist.“ Zumindest was die ICEs hier in Köln betrifft.

Seit gestern kann ich „die Deutsche Bahn Nörgler“ mal wieder bestens verstehen;-) Hier also ein kleiner Bericht meiner Odyssee mit der Deutschen Bahn.

1. Akt: Bitte nicht einsteigen!
Nach einem Termin habe ich mir am HBF in Nürnberg so gegen 14.40 Uhr meine Fahrkarte am Automaten gezogen, um in dem ICE um 15 Uhr ohne Umsteigen nach Köln zu düsen. Sitzplatzreservierung war leider nicht mehr möglich. Aber das kommt ja bei so einer kurzfristigen Buchung immer mal wieder vor und ist in der Regel auch kein Problem. Soweit so gut. Nichts Böses ahnend schlendere ich zum Gleis, wo ich mit folgender Durchsage empfangen werde: „Der ICE XYZ von München nach Dortmund via Frankfurt und Köln ist überfüllt. Daher sind nur Personen mit einer Sitzplatzreservierung berechtigt in den Zug einzusteigen.“

2. Akt: Der „böse Mann“ am DB Schalter
OK. Shit happens. Also auf zum DB SERVICE Center, um in Erfahrung zu bringen wann der nächste Zug fährt, das Ticket umzubuchen und möglichst eine Sitzplatzreservierung zu tätigen. Nun habe ich an dem Schalter kein Wunder erwartet, aber ein bisschen mehr Engagement, Verständnis und guter Willen wäre nicht schädlich gewesen. Leider war dies dem Mitarbeiter nicht möglich, so dass der Gang nach Canossa… Äh ich meine zum DB „Service“ Schalter ein Paradebeispiel wurde, wie man NICHT mit einem Kunden kommunizieren sollte.

DB Mitarbeiter: „Sitzplatzreservierung erst ab Frankfurt möglich. Kostet 4 Euro.“
Ich: „Kann man da evtl. was auf Kulanz machen? Schließlich säße ich jetzt schon längst im Zug gen Heimat? Ach ja, und Bahncard Kunde bin by the way auch.“
DB Mitarbeiter (eher sauer als verständnisvoll): „Nein. Und sie haben auch kein Anrecht überhaupt mitgenommen zu werden. Buchen sie das nächste mal halt früher und dann auch direkt eine Reservierung.“
Ich: „Haben Sie schon einmal etwas von Geschäftsreisenden gehört? Hier ist mein Ticket für die Hinfahrt, inkl. Sitzplatzreservierung, wie ich sie da immer buche. Für den Rückweg kann ich das nur in vielen Fällen nicht, weil man nie so genau weiss, wie lange so ein Termin dauert.“
DB Mitarbeiter: „Wollen Sie jetzt die Reservierung und diese auch bezahlen, oder nicht?“
Ich: „Vielen Dank für Ihr Verständnis. Schöner Staatsbetrieb. Wird Zeit dass der Puff hier privatisiert wird, damit so Hänseln wie Dir mal der rauhe Wind der Marktwirtschaft ins Gesicht bläst.“ Ok. Das habe ich nicht gesagt, sondern nur gedacht;-)

Klar kann dieser Mitarbeiter auch nichts dafür, dass der Zug überfüllt war. Ich aber auch nicht. Das Gefühl hat er mir aber vermittelt.

Also die Kröte geschluckt und das Ticket erst mit der Reservierung in Frankfurt gekauft.

3. Akt: Im Zug von Nürnberg nach Frankfurt
Hier konnte ich mich sehr glücklich schätzen. Denn auch dieser Zug war endlos überfüllt. Ich hatte aber trotzdem einen der letzten Sitzplätze ergattert, so dass ich nicht wie viele andere „arme Seelen“ irgendwo stehen oder auf dem Gang sitzen musste.

4. Akt: Umsteigen in Frankfurt Flughafen
Raus aus dem Zug und in freudiger Erwartung gleich auf meinem reservierten Platz nachhause zu düsen. Denkst de… Denn dann kam folgende Durchsage:
„Der ICE von Basel nach Amsterdam via Köln hat aufgrund einer Stellwerkstörung voraussichtlich 1 Stunde und 20 Minuten Verspätung.“
OK. Also schaun, wann kommt der nächste alternative Zug. Ok. In 30 Minuten. Bin zwar schon den ganzen Tag unterwegs. Ist aber jetzt ja auch nicht die Welt. Also kurz runter vom eisigen Bahnhof oben in den Flughafen. 20 Minuten totschlagen. Wieder runter zum Bahnsteig.

Dort kam dann wiederum folgende Durchsage: „Wir bitten um Ihr Verständnis, dass der ICE nach Köln heute nur aus einem Zugteil besteht und die Wagen 22 bis 28 daher entfallen.“

Nun standen doppelt so viele Menschen am Gleis wie gewöhnlich für diesen Zug, da ich nun mal nicht der einzige war der von dem verspäteten Zug davor auf diesen ausweichen wollte. Und der Zug war auch nur noch halb so lang. Da musste man also kein Einstein sein, um vorhersagen zu können, dass auch dieser Zug restlos überfüllt sein wird. Und so kam es dann auch. Von Frankfurt bis Köln glich das ganze wie den Heringen in der Dose. Guter Stehplatz mit ordentlich Körperkontakt zu den anderen ebenfalls stehenden Mitreisenden.

Mit Galgenhumor genommen, Mund abgewischt und weiter gings.

5. Akt: Die Flut
Gelegentlich musste sich nun mal jemand durchquetschen, um seine Notdurft zu verrichten. Nun kam eine Dame aus dem WC heraus und fragte: „Weiss hier jemand wo der Schaffner ist? Das Wasser im Waschbecken hört nicht mehr auf zu laufen und die Toilette ist schon überschwemmt.“ Da passte also mal wieder alles zusammen. Einige Zeit später kam dann also der Schaffner. Auch nicht gerade gut gelaunt. Schraubte ein wenig rum. Nahm die Verkleidung der Decke des Zuges ab. Usw. Was dann doch zumindest bei uns herumstehenden KUNDEN für einige Belustigung sorgte. Aber das muss man ihm lassen. Der Schaffner hat sich da nicht all zu aus der Ruhe bringen lassen und das Problem dann letztendlich auch behoben. Auch wenn die Toilette dann gesperrt war. Was wiederum dazu führte, dass sich viele Menschen bis zu uns durchkämpften, um dann gleichen Weg zurück zu müssen, um sich zu einem anderen WC durchzubeissen.

6. Akt: Das Finale
Nun kam ich in Köln/Deutz an und stand vor der Wahl Taxi oder Regionalbahn nach Köln Süd und dann die letzten paar Meter nachhause laufen. Da der Zug bereits in 10 Minuten kommen sollte, entschied ich mich für zweiteres, weil das immer noch ein ganz netter kleiner Spaziergang ist. Leider falsch. Denn nachdem ich mir schon 5 Minuten lang auf dem Gleis den A… abgefroren hatte erschien auf der Anzeige der Hinweis: „Dieser Zug hat ca. 15 Minuten Verspätung.“ Damit war das Fass dann voll und ich auf dem Weg zum Taxistand.

Die Moral von der Geschicht

Ich werde zumindest in absehbarer Zukunft wohl erst einmal niemanden mehr sagen, dass das mit der Bahn doch ganz toll läuft. Hätte ich vielleicht, wenn der Service Mitarbeiter sich etwas besser angestellt hätte. Aber die Chance hat die Bahn leider vertan… Denn ein Missgeschick kann jedem einmal passieren. Das ich die Reservierung hätte zahlen müssen. Ebenfalls überhaupt kein Problem. Wenn ich einfach etwas freundlicher behandelt worden wäre. Auch der Trouble in Frankfurt und im überfüllten Zug wäre unkritisch gewesen, wenn man etwas Bemühen verspürt hätte die missliche Lage der Bahn KUNDEN ein wenig lindern zu wollen. Muss ja nicht einmal etwas Großes sein. Aber wenigstens ein paar freundliche Worte und Gesten helfen da ja oftmals schon Wunder und hätten vielleicht sogar dafür gesorgt, dass man die missliche Lage schon fast wieder positiv in Erinnerung behalten hätte. In diesem Fall würde der Blogbeitrag hier komplett anders aussehen. Ohne “(un)” in der Überschrift. Doch das war einfach auf voller Linie versagt und aus meiner Sicht von A bis Z ein wahres Musterbeispiel wie man es NICHT machen sollte.

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  1. One Response to “Eine Bahnfahrt die ist (un)lustig eine Bahnfahrt die ist (un)schön”

  2. By Lampe 4 Kabel on Sep 25, 2013 | Reply

    Wow wusste gar nicht, dass Design so komplex sein kann vor allem in den spezifischen Definitionen

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