Marketing Begriffsdschungel – Unsinn, Standard, oder was?
Mai 26th, 2009 | by FHolzapfel |“Twitter Marketing ist Unsinn. Es sei denn, man ist Twitter.” heisst der Beitrag von Martin Oetting der mich eigentlich „nur“ zu einem Kommentar verleitete. Als ich dann aber gemerkt habe, dass ich keinen Kommentar, sondern eher einen Roman schreibe dachte ich mir das Ganze einfach als eigenständigen Beitrag hier in unserem Blog zu posten;-)
Stein des Anstoßes…
Worum geht‘s? Es hat sich inzwischen eingebürgert den Kommunikationskanal mit einem Marketing zu versehen und als eigenständige Gattung zu bezeichnen. Beispiele: Online Marketing, Mobile Marketing, Direct Marketing, usw. Oder noch eine Stufe spezieller… Eben auch Facebook Marketing, Twitter Marketing, usw.
Per Definition bezeichnet „Marketing“ eigentlich/ursprünglich den ganzheitlichen Ansatz, sein Produkt erfolgreich am Markt zu platzieren. Demnach würde jemand der Mobile Marketing betreibt letztendlich „Mobile“ vermarkten. Das würde man dann aber eigentlich eher als „Auto Marketing“ bezeichnen. Wobei dies nun nicht meint, Werbeflächen auf Autos zu vermarkten, sondern eben Autos als Produkt an sich. Twitter Marketing betreibt nach dieser Definition eben nur das Unternehmen Twitter. Nicht aber Werbetreibende die auf dieser Plattform aktiv sind.
Generell kann man leider all zu oft beobachten, dass die Konzentration auf einen Kanal den Blick auf das Große Ganze verstellt. Sprich man sollte sich erst Gedanken über seine Ziele machen und erst dann auf die Kanäle konzentrieren.
Unsere Meinung/Erfahrung/Gedanken…
Soweit Martins Beitrag/Meinung/Erfahrung zu dem Thema. Ab hier kommt nun unsere;)
Agentur vs. Kunden Brille…
Wir bevorzugen bei vielen Dingen unseres täglichen Geschäfts beispielsweise den Begriff “Alternative Marketingstrategien”. Und das zum Teil aus ähnlichen Gründen wie Martin sie beschreibt (hinzu kommt bei uns noch, dass wir damit dem Trend entgegenwirken möchten, dass unzählige neue Begriffe im Bereich alternatives Marketing entstehen, die letztendlich weniger helfen, sondern eher verwirren, weil sie letztendlich auf das Gleiche hinauslaufen und die Differenzierung zu bestehenden Begriffen unserer Meinung nach oft einfach zu gering ist als dass ein eigener/neuer Begriff gerechtfertigt wäre >> das gleiche gilt aber auch für viele andere Marketing Disziplinen). Nämlich dass die Unternehmen die zu uns kommen in der Regel primär ungewöhnliche Ideen, Aufmerksamkeit, Gesprächsstoff rund um ihre Marke, usw. wünschen. Und das eben über “alternative” Kanäle abseits der “platt getrampelten Werbeautobahn”. Welche Kanäle das letztendlich sind ist für uns dabei erst mal sekundär.
Für den Kunden zumindest auf den ersten Blick in der Regel scheinbar nicht. Denn diese suchen bzw. fragen beim ersten Kontakt nahezu durchgehend eher nach Begriffen wie Guerilla, Viral, Web 2.0 oder Social Media. Die Liste liesse sich auch um Online, Facebook, Twitter, Usw. Marketing erweitern. Wenn man dann allerdings erst einmal darüber spricht verändern sich oft auch beim Kunden die Kanäle bzw. treten in den Hintergrund.
Mitspielen oder hinten anstellen…
Insbesondere zu Beginn kommt man um diese Begriffe jedoch oftmals einfach nicht herum, wenn man…
a) nicht am Kunden vorbeireden will…
b) evtl. auch bei der ein oder anderen Suchanfrage bei Google gefunden werden möchte…
c) hat der Kunde sich unter Umständen auch schon Gedanken zu seinen Zielen gemacht und weiss schon genau warum er einen bestimmten Kanal bedienen mag (denn das ein oder andere Unternehmen bzw. auch die ein oder andere betreuende Agentur ist evtl. gar nicht so planlos und dumm wie viele Marketer gerne glauben;) …
d) waschen „wir Werber“ unsere Hände dabei auch nicht in Unschuld, denn gewöhnlich sind wir es die diese Begriffe prägen und bestimmte Kanäle übermäßig hypen (siehe aktuell Twitter >> um jeglichen Missverständnissen vorzubeugen >> wir sind auch große Twitter Fans >> aber es ist eben auch keine „Eiermilchlegende-Allzweckwaffe“ wie es so manch einer predigt)…
e) …
Unter dem Strich… Unsitte oder Standard?
Einerseits finde ich den Gedanken das Kind auch tatsächlich bei seinem echten Namen zu nennen sehr gut. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Denn andererseits ist dies so leider oftmals nur schwer bis kaum umsetzbar. Denn die Unsitte einfach ein “Marketing” an den entsprechenden Kanal dran zu hängen hat sich bereits so fest eingebürgert hat, dass es schon fast keine “Unsitte”, sondern wohl schon eher “Standard” ist.
Mal ganz von der wortwörtlichen Definition abgesehen… Oftmals macht es halt auch einfach Sinn. Denn was sollte ein Unternehmen denn beispielsweise in Google als Suchbegriff eingeben, wenn er eine Agentur sucht die eine Kampagne auf Facebook oder Twitter umsetzen soll? Klar kann er dann auch „Facebook Agentur“ eingeben. Was „per Definition“ begrifflich aber genauso falsch wäre;) Doch in beiden Fällen weiss eigentlich jeder was gemeint ist. Und das ist denke ich letztendlich die Hauptsache.
Das Angebot richtet sich nach der Nachfrage…
Damit kommen wir dann auch schon zu meinem abschließenden Gedanken… Es lässt sich drehen und wenden wie man möchte… Zu guter letzt läuft es auf folgende Grundregel hinaus: Das Angebot richtet sich nach der Nachfrage. Und nicht andersherum. Sprich man kann bestimmte mehr oder weniger sinnvolle Begriffe zwar be- oder auch verurteilen, aber sich kaum dagegen wehren wenn man nicht nur zuschauen möchte. Mal ganz davon abgesehen, dass wir die Nachfrage sogar selber schaffen;-)
Nichtsdestotrotz würde auch ich mir wünschen, dass irgendwann noch eine Besserung im “Marketing Begriffsdschungel” einkehrt und man sich auf jene Begriffe konzentriert, die wirklich sinnvoll sind und nicht immer wieder versucht alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen. Naiv… Ich weiss;)

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